
Vom Stamm zum Möbel: #01 Das Auftrennen der Holzbohle
Ein Möbel beginnt nicht an der Werkbank, sondern bei der Bohle. Teil 1 unserer Reihe „Vom Stamm zum Möbel" zeigt, wie wir sägeraue Holzbohlen auftrennen, das Material bestmöglich nutzen und schon dabei das spätere Erscheinungsbild festlegen.
Ein fertiges Massivholzmöbel zeigt am Ende vor allem seine Form, seine Oberfläche und die natürliche Schönheit des Holzes. Kaum sichtbar sind die vielen Arbeitsschritte, die lange vorher nötig waren.
Mit unserer Reihe „Vom Stamm zum Möbel" möchten wir genau diese Schritte sichtbar machen. Vom ersten Blick auf die rohe Holzbohle bis zum fertig geölten Möbelstück zeigen wir, wie aus einem natürlichen Rohstoff Schritt für Schritt ein Möbel entsteht. Dieser Weg beginnt für uns nicht erst an der Werkbank.
Am Anfang steht die richtige Holzbohle
Die Qualität eines Massivholzmöbels wird wesentlich durch die Auswahl des Ausgangsmaterials bestimmt. Deshalb beginnt unsere Arbeit schon bei der Entscheidung, welche Holzbohlen für ein Möbelstück infrage kommen.
Unser Holz beziehen wir unter anderem von der Firma Hanger in Kleinraming. Neben der Qualität des Holzes sind uns dabei kurze Wege und eine gute, persönliche Beratung wichtig.
Die Bohlen kommen als sägeraues Holz zu uns in die Werkstatt. Ihre spätere Oberfläche lässt sich zu diesem Zeitpunkt oft nur erahnen. Genau das macht diesen ersten Arbeitsschritt besonders spannend. Unter der rauen Oberfläche verbirgt sich bereits die Maserung, die das Erscheinungsbild des fertigen Möbelstücks später wesentlich mitbestimmt.
Sägeraue Holzbohlen, wie sie in die Werkstatt kommen. Die spätere Oberfläche lässt sich hier oft nur erahnen.
Was bedeutet „Auftrennen"?
Bevor eine massive Holzbohle weiterverarbeitet werden kann, wird sie zunächst in einzelne, für das jeweilige Möbelstück passende Bereiche oder Lamellen aufgetrennt. Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Zuschnitt aussieht, verlangt bereits einige Entscheidungen.
Jede Bohle ist anders gewachsen. Äste, Risse, unterschiedliche Faserverläufe und Spannungen im Holz wollen berücksichtigt werden. Beim Auftrennen geht es deshalb nicht darum, eine Bohle einfach in möglichst gleich große Streifen zu schneiden.
Vielmehr überlegen wir schon jetzt: Welche Bereiche können wir verwenden? Wo sitzen Risse oder Äste? Welche Breiten brauchen wir später? Wie gewinnen wir möglichst viel hochwertiges Holz aus der Bohle? Und welche Bereiche passen optisch besonders gut zusammen?
Beim Auftrennen wird die Bohle in einzelne Lamellen zerlegt. Jeder Schnitt will überlegt sein.
So viel Holz wie möglich nutzen
Massivholz ist für uns ein wertvoller natürlicher Rohstoff. Deshalb versuchen wir schon beim ersten Zuschnitt, das vorhandene Material bestmöglich zu nutzen.
Risse oder ungünstige Bereiche trennen wir gezielt heraus. Gleichzeitig wollen wir unnötigen Verschnitt vermeiden. Eine durchdachte Einteilung der Bohle macht dabei oft einen wesentlichen Unterschied.
Das bedeutet manchmal auch, sich einen Moment mehr Zeit zu nehmen, die Bohle genau anzusehen und erst dann den ersten Schnitt zu setzen. Denn was hier abgeschnitten wurde, lässt sich später nicht wieder hinzufügen.
Äste sind nicht automatisch ein Fehler
Gerade bei Massivholz gehören Äste zum natürlichen Erscheinungsbild des Materials. Ob ein Ast im späteren Möbel sichtbar bleiben darf oder entfernt werden muss, hängt von seiner Beschaffenheit, seiner Position und der gewünschten Optik des Möbelstücks ab.
Ein gesunder Ast kann einem Möbel Charakter verleihen. Kritische oder lose Bereiche berücksichtigen wir dagegen schon bei der Materialauswahl.
Genau hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zwischen einem natürlichen Werkstoff und industriell erzeugten, vollkommen gleichmäßigen Oberflächen: Wir arbeiten mit dem, was der Baum uns vorgibt.
Schon jetzt entsteht das spätere Erscheinungsbild
Beim Auftrennen geht es aber nicht nur um die technische Qualität. Auch die Optik spielt bereits eine Rolle. Der Verlauf der Jahresringe, die Maserung und die Farbunterschiede innerhalb einer Bohle beeinflussen, wie die einzelnen Lamellen später zusammenwirken.
Deshalb beginnt die Gestaltung eines Massivholzmöbels für uns nicht erst beim Entwurf oder bei der Oberflächenbehandlung. Sie beginnt schon bei der Auswahl und beim Zuschnitt des Holzes.
Ein Teil der handwerklichen Arbeit besteht darin, die natürlichen Eigenschaften des Materials zu erkennen und sie gezielt für das spätere Möbel zu nutzen.
Warum dieser Arbeitsschritt so wichtig ist
Das Auftrennen bildet die Grundlage für viele der folgenden Bearbeitungsschritte. Fehler oder ungünstige Entscheidungen, die hier getroffen werden, lassen sich später oft nur noch schwer korrigieren.
Deshalb betrachten wir jede Bohle einzeln und versuchen, aus ihr genau jene Teile zu gewinnen, die wir für das jeweilige Möbel brauchen. So entsteht aus einem gewachsenen Rohstoff langsam ein Werkstoff für den Möbelbau, ohne seinen natürlichen Charakter zu verlieren.
Noch sieht man nicht, was darin steckt
Nach dem Auftrennen wirken die einzelnen Teile zunächst noch recht unscheinbar. Die Oberflächen sind sägerau, die endgültige Farbe ist noch nicht vollständig sichtbar, und auch die Maserung lässt sich teilweise nur erahnen.
Das ändert sich beim nächsten Arbeitsschritt. Sobald die aufgetrennten Lamellen abgerichtet und gehobelt werden, verschwindet die raue Oberfläche, und Farbe, Struktur und Maserung des Holzes kommen erstmals richtig zum Vorschein. Für uns ist das jedes Mal einer dieser besonderen Momente in der Verarbeitung von Massivholz.
Im nächsten Teil von „Vom Stamm zum Möbel" zeigen wir euch, was beim Hobeln aus den sägerauen Lamellen zum Vorschein kommt.
Michael Bachner
Geschäftsführer
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